Verbotene Chemikalien in Kosmetik: Warum gefährliche Stoffe weiterhin im Umlauf sind
Tobias SchwarzVerbotene Chemikalien in Kosmetik: Warum gefährliche Stoffe weiterhin im Umlauf sind
Gefährliche Chemikalien tauchen trotz strenger Verbote weiterhin in europäischen Kosmetikprodukten auf
Untersuchungen zeigen, dass verbotene Stoffe – darunter mutmaßlich krebserregende Substanzen – nach wie vor online und in Geschäften verkauft werden. Bei rund 600.000 Produkten auf dem Markt und täglich 800 Neueinführungen kommen die Behörden mit den Kontrollen kaum nach.
2025 durchsuchte die Europäische Kommission über 1,6 Millionen Websites und stieß dabei auf mehr als 20.000 illegale Produkte, darunter auch Kosmetikartikel. Betroffen waren bekannte Marken wie Nivea, Schwarzkopf und Schauma. Eine Tube Schwarzkopf-Glitzer-Haargel, die im März 2023 gekauft wurde, enthielt Lilial (BMHCA) – einen Duftstoff, der in der EU seit 2019 verboten ist. Rechercheure des Investigativmediums CORRECTIV erwarben zudem drei verbotene Produkte online, darunter einen Nivea-Rasierschaum mit BMHCA von Amazon.
Das EU-Warnsystem Safety Gate erfasst jedoch nur einen Bruchteil der gefährlichen Artikel. Die Behörden prüfen zu wenige Proben, um alle Verstöße zu erkennen. Seit 2012 wurden über 4.000 Kosmetikprodukte wegen Gesundheitsrisiken vom Markt genommen. Dennoch könnten viele der fast 2.000 verbotenen oder eingeschränkten Substanzen jahrelang im Umlauf gewesen sein – und möglicherweise noch immer in Badezimmerschränken lagern.
Zu den problematischen Inhaltsstoffen zählen PFAS ("Ewigkeitschemikalien") und Hydrochinon, ein Hautaufheller, der mit Krebs in Verbindung gebracht wird. Das EU-Parlament wird im April 2026 über die Chemicals-Omnibus-Novelle abstimmen, die die Übergangszeit für verbotene Produkte von 18 Monaten auf bis zu sechs Jahre verlängern könnte.
Die Dimension des Problems ist enorm: Täglich kommen 800 neue Kosmetikartikel auf den Markt. Durch Kontrolllücken bleiben verbotene Stoffe im Umlauf und gefährden weiterhin Verbraucher:innen. Die anstehende EU-Abstimmung könnte die Entfernung gefährlicher Produkte aus Regalen und Online-Plattformen weiter verzögern.






