13 March 2026, 14:09

Systematischer Missbrauch im Erzbistum Paderborn: 489 Fälle über sechs Jahrzehnte

Ein Buch mit Bildern und Texten, das die Geschichte der katholischen Kirche dokumentiert, einschließlich Fotos von ihren Räumen, Fluren und erhaltenen Artefakten.

Bischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Systematischer Missbrauch im Erzbistum Paderborn: 489 Fälle über sechs Jahrzehnte

Ein neuer Bericht deckt umfangreichen sexuellen Missbrauch im Erzbistum Paderborn auf. Zwischen 1941 und 2002 wurden 489 Fälle mit 210 beschuldigten Personen dokumentiert. Die Erkenntnisse haben die Forderungen nach Aufarbeitung neu entfacht – Opfer verlangen die Umbenennung von Straßen, die zwei verstorbenen Kardinäle ehren, die mit dem Skandal in Verbindung stehen.

Seit 2010, als die Missbrauchskrise der deutschen katholischen Kirche erstmals öffentlich wurde, haben Überlebende Entschädigungen in Höhe von 93 Millionen Euro erhalten. Nun haben neue Enthüllungen weitere Entschuldigungen und das Versprechen vertiefter Untersuchungen ausgelöst.

Die unabhängige Studie, diese Woche veröffentlicht, beschreibt systematischen Missbrauch im Erzbistum Paderborn über sechs Jahrzehnte hinweg. Von den 210 Beschuldigten bekleideten viele führende Positionen in der Kirche. Bischof Udo Markus Bentz räumte das Ausmaß der Vorfälle als Zeichen institutionellen Versagens ein und bat die Opfer öffentlich um Vergebung.

Auch gegen den verstorbenen Kardinal Johannes Joachim Degenhardt, der das Erzbistum über 20 Jahre leitete, gibt es Vorwürfe. Kritiker werfen ihm vor, Missbrauchsfälle vertuscht zu haben. Daraufhin forderte der Verein der Betroffenen die Umbenennung der Kardinal-Jaeger-Straße und des Kardinal-Degenhardt-Platzes – öffentliche Plätze dürften keine Personen ehren, die mit solchen Vorwürfen belastet seien.

Das Erzbistum Paderborn kündigte an, die Ermittlungen auszuweiten, insbesondere zu Degenhardts Rolle. Zwar hat die Kirche interne Präventionsmaßnahmen und Verfahren zur Fallbearbeitung eingeführt, doch eine direkte Reaktion von Bundes- oder Landesbehörden steht noch aus.

Die Entschädigungen für Überlebende belaufen sich bisher auf 93 Millionen Euro. Aktivisten betonen jedoch, dass finanzielle Wiedergutmachung allein die langfristigen Folgen jahrzehntelangen Missbrauchs nicht ausgleichen kann.

Die Ergebnisse des Berichts erhöhen den Druck auf das Erzbistum Paderborn, sich seiner Vergangenheit zu stellen. Bischof Bentz' Entschuldigung und das Bekenntnis zu weiteren Untersuchungen sind Schritte in Richtung Verantwortung. Gleichzeitig spiegelt die Forderung nach Streichung der Ehrungen für belastete Kardinäle das wachsende Verlangen wider, dass sich die Kirche von mit dem Skandal verbundenen Persönlichkeiten distanziert.

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