NRW-Schulen leiden unter chronischer Unterfinanzierung trotz Rekordbudgets
Nina HerrmannDGB fordert mehr Geld für Schulen in NRW trotz Rekordbudget - NRW-Schulen leiden unter chronischer Unterfinanzierung trotz Rekordbudgets
Eine neue Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Nordrhein-Westfalen (NRW) deckt gravierende Mängel bei der Bildungsfinanzierung auf. Trotz der vom Land behaupteten Rekordausgaben zeigt der Bericht, dass Schulen in der Region im Vergleich zu anderen Bundesländern weiterhin unterfinanziert sind. Experten warnen, dass sich die langfristigen Folgen für Schüler ohne dringende Investitionen weiter verschärfen werden.
Die vom Ökonomen Torsten Windels geleitete und 2023 veröffentlichte DGB-NRW-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das Land in den kommenden zehn Jahren rund 156 Milliarden Euro an öffentlichen Investitionen benötigt, um seine Zukunft zu sichern. Doch das Wachstum der Bildungsausgaben bleibt hinter den allgemeinen Haushaltssteigerungen zurück. In den vergangenen zwölf Jahren lag die Investitionsquote NRWs bei nur 10,1 % – deutlich unter Bayern mit 16,2 % und Baden-Württemberg mit 15,4 %.
Auch die Pro-Kopf-Ausgaben für Schüler fallen in NRW zu niedrig aus. Grundschulen erhalten jährlich etwa 7.500 Euro pro Kind – 900 Euro weniger als der Bundesdurchschnitt. Zudem sind die Klassen größer: Im Schnitt zählen sie 24,1 Schüler, während der bundesweite Durchschnitt bei 21,3 liegt. Diese Bedingungen tragen zu steigenden Durchfallquoten in den frühen Jahrgangsstufen bei, insbesondere im Ruhrgebiet, wo ein Drittel der Grundschüler die Mindeststandards in Deutsch und Mathematik nicht erfüllt, bevor sie auf weiterführende Schulen wechseln.
Bis zum Ende der zehnten Klasse verschärft sich die Lage weiter: 85 % der Schüler im Ruhrgebiet erreichen die geforderten Sprachstandards nicht. Windels betont, dass das Land jetzt handeln müsse – etwa durch die Nutzung der neu gewonnenen finanziellen Spielräume und die Inanspruchnahme einer Milliarden-Sonderreserve. Er unterstreicht, dass höhere Bildungsinvestitionen heute langfristige Vorteile bringen würden.
DGB-NRW-Vorsitzende Anja Weber kritisierte die Fortschrittsbekundungen der Landesregierung scharf: Die Realität des Bildungssystems in NRW entspreche nicht den offiziellen Darstellungen. Die Studie stellt zudem fest, dass NRW zwar Fortschritte bei der Inklusion von Kindern mit Förderbedarf gemacht habe, die Ausstattung der Schulen und die verfügbaren Ressourcen insgesamt aber unter dem Bundesschnitt lägen.
Der DGB-Bericht fordert unverzügliche Maßnahmen zur Steigerung der Bildungsausgaben in NRW. Ohne erhebliche Investitionen werde sich die Kluft zwischen den Bildungszielen des Landes und der tatsächlichen Leistung weiter vergrößern. Die Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass die aktuellen Ausgaben nicht ausreichen, um die wachsenden Herausforderungen bei Schülerleistungen und Schulinfrastruktur zu bewältigen.






