Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis für ihren Kampf um Demokratie in Belarus
Tobias SchwarzSpätverleihung des Karlspreises an belarussische Oppositionsfigur Kolesnikova - Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis für ihren Kampf um Demokratie in Belarus
Die belarussische Oppositionsführerin Maria Kolesnikowa ist am Samstag in einer feierlichen Zeremonie mit dem Internationalen Karlspreis ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung würdigt ihren Einsatz für Demokratie und freie Wahlen in Belarus. Geehrt wurde sie, obwohl sie bis vor kurzem noch in Haft saß.
Der Preis, einer der renommiertesten Europas, war ihr ursprünglich bereits 2022 verliehen worden. Der diesjährige Preisträger, der ehemalige italienische Ministerpräsident Mario Draghi, nahm ebenfalls an der Veranstaltung in der Aachener Krönungshalle teil.
Kolesnikowa war 2020 zu elf Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt worden, weil sie eine führende Rolle bei den Massenprotesten gegen den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko gespielt hatte. Die Demonstrationen folgten auf die umstrittenen Wahlen, die Lukaschenkos Herrschaft verlängerten – er regiert das Land seit 1994. Seine Regierung pflegt enge Beziehungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin und hat Belarus damit weiter von den westlichen Staaten isoliert.
Das Karlspreis-Komitee lobte Kolesnikowas "außergewöhnlichen Mut", mit dem sie sich Lukaschenkos autoritärem Regime entgegensetzt. Zu den früheren Preisträgern zählen Papst Franziskus, Emmanuel Macron und Bill Clinton. Der seit 1950 jährlich verliehene Preis ehrt Persönlichkeiten, die sich um die europäische Einigung und demokratische Werte verdient gemacht haben.
Belarus steht weiterhin wegen Menschenrechtsverletzungen in der internationalen Kritik. Im März 2026 leitete der Internationale Strafgerichtshof ein vorläufiges Ermittlungsverfahren gegen das Land ein. Trotz dieser Vorwürfe hat Minsk die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland und China ausgebaut.
Kolesnikowa war erst in diesem Jahr nach fünf Jahren Haft aus der Gefangenschaft entlassen worden. Deutschland hat ihr inzwischen politisches Asyl gewährt und bietet ihr damit Schutz außerhalb von Belarus.
Die Feier in Aachen markierte ihren ersten öffentlichen Auftritt seit ihrer Freilassung. Ihr Fall bleibt ein zentraler Bezugspunkt in den Debatten über Demokratie und Menschenrechte in Osteuropa. Belarus hingegen steuert weiterhin durch diplomatische Spannungen und vertieft gleichzeitig seine Bündnisse mit Moskau und Peking.