KI-Beauftragte an Schulen: Wer soll die digitale Wende im Klassenzimmer stemmen?
Jana BraunKI-Beauftragte an Schulen: Wer soll die digitale Wende im Klassenzimmer stemmen?
Schulen in Deutschland stehen unter wachsendem Druck, künstliche Intelligenz in den Unterricht zu integrieren. Ein neuer Vorschlag sieht vor, an jeder Schule eine KI-Beauftragte oder einen KI-Beauftragten einzusetzen, um Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern zu begleiten. Der Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der Bedenken hinsichtlich Datenschutz, Kosten und veralteter Lehrmethoden zunehmen.
Gleichzeitig berichten angehende Lehrkräfte, dass sie sich durch eine zu theorielastige Ausbildung schlecht auf die praktischen Anforderungen des Schulalltags vorbereitet fühlen. Gleichzeitig sind die Quote für Fachkräfte in der beruflichen Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern in Kindergärten gesunken – Bayern ist das letzte Bundesland, das noch an verbindlichen Vorgaben festhält.
Die vorgeschlagene KI-Beauftragte würde schulinterne Fortbildungen für das Personal leiten. Zu ihren Aufgaben gehörten die Vermittlung der technischen, sozialen und rechtlichen Aspekte von KI, die Einhaltung des Datenschutzes sowie die Organisation fächerübergreifender Unterrichtsplanung. Zudem würde sie neue Prüfungsformate erproben und Informationsveranstaltungen für Eltern abhalten.
Laut Plan sollte jede Schule pro Halbjahr drei dreistündige Fortbildungen erhalten, zusätzlich zu einer halben Stunde wöchentlicher Entlastungszeit für die Beauftragte. Diese würde als Schnittstelle zwischen Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie Familien fungieren und über Chancen und Risiken von KI aufklären.
Einige Lehrkräfte erlauben ihren Schülerinnen und Schülern bereits, in bestimmten Phasen große Sprachmodelle (LLMs) zu nutzen – die Kosten dafür wollen sie jedoch nicht selbst tragen. Das vom Ministerium favorisierte Modell sieht vor, dass Schulen eigene KI-Tools bereitstellen, um die Verantwortung für Datenschutz und Finanzierung von den einzelnen Lehrkräften auf die Institutionen zu verlagern. Alternativ könnten Schülerinnen und Schüler LLMs auch eigenständig nutzen, um institutionelle Kosten und rechtliche Bedenken zu umgehen.
Der Bundeselternrat fordert unterdessen umfassendere Reformen und kritisiert veraltete Schulstrukturen. Seine Kritik deckt sich mit den Klagen von Referendarinnen und Referendaren, die ihre universitäre Ausbildung als zu praxisfern empfinden. Viele Absolventen fühlen sich den Herausforderungen moderner Klassenzimmer nicht gewachsen.
Auch in der frühkindlichen Bildung hat die berufliche Qualifizierung nachgelassen – Bayern ist mittlerweile das einzige Bundesland, das noch verbindliche Fachkräftequoten in Kitas durchsetzt. Dieser Rückgang wirft die Frage auf, ob Schulen und Betreuungseinrichtungen mit den sich wandelnden Bildungsanforderungen Schritt halten.
Der Vorschlag, KI-Beauftragte an Schulen einzuführen, zielt darauf ab, Lücken in der digitalen Kompetenz zu schließen und Lehrkräfte zu entlasten. Bei einer Umsetzung würde das System die KI-Bildung an Schulen vereinheitlichen – doch Finanzierung und Umsetzung sind noch ungeklärt. Die Debatte darüber, wie sich Innovation mit Kosten, Datensicherheit und der Realität der Lehrerausbildung in Einklang bringen lässt, dauert derweil an.






