13 March 2026, 00:08

Junge Stimmen zählen zu wenig – trotz mehr Jugendparlamente und politischer Beteiligung

Ein Blatt Papier mit einer Zeichnung einer vielfältigen Gruppe von Menschen, einige sitzen und einige stehen, mit dem Text "Die demokratische Plattform" darüber.

Junge Stimmen zählen zu wenig – trotz mehr Jugendparlamente und politischer Beteiligung

Junge Menschen in Deutschland haben heute weit mehr Möglichkeiten, sich politisch zu engagieren, als noch vor zwei Jahrzehnten. Seit den frühen 2000er-Jahren wurden über 1.000 Jugendparlamente und -räte gegründet, wodurch sich die formale Beteiligung von etwa 15 Prozent im Jahr 2006 auf 35 Prozent bis 2025 mehr als verdoppelt hat. Doch trotz dieser Fortschritte fühlen sich viele Unter-25-Jährige nach wie vor nicht gehört, wenn es um Entscheidungen geht, die ihre Zukunft prägen.

Für den 19-jährigen Jannis Auffenberg aus Bielefeld war Wählen noch nie mit echtem Einfluss verbunden. Er hat bei der Europawahl 2024, der letzten Bundestagswahl und den Kommunalwahlen 2025 seine Stimme abgegeben. Doch für ihn ist die Wahl eher ein "Trostpflaster" – ein Mittel, um die Menschen ruhigzustellen, während ihre Anliegen ignoriert werden.

Sein Argument: Junge Menschen sollten in fast allen politischen und gesellschaftlichen Bereichen mitreden dürfen, nicht nur alle paar Jahre an der Wahlurne. Aus seiner Sicht würde die Gesellschaft davon profitieren, wenn alle besser über politische Abläufe aufgeklärt würden und direkten Zugang zu Entscheidungsprozessen erhielten. Zudem hinterfragt er, warum das Mindestwahlalter bei 18 Jahren bleibt, und fordert, es rechtzeitig zur Landtagswahl 2027 in Nordrhein-Westfalen auf 16 zu senken.

Die Zunahme von Jugendgremien und Organisationen wie dem Deutschen Bundesjugendring oder dem Kinder- und Jugendrat beim Bundestag (gegründet 2009) hat mehr jungen Deutschen eine Plattform gegeben. Offizielle Zahlen zeigen, dass sich ihre Beteiligung an formalen Strukturen seit 2006 mehr als verdoppelt hat. Dennoch liegt die Wahlbeteiligung der Unter-25-Jährigen weiterhin nur zwischen 50 und 60 Prozent – deutlich unter der älterer Bevölkerungsgruppen.

Auffenberg besteht darauf, dass die Stimmen junger Menschen genauso viel zählen sollten wie die älterer, erfahrenerer Wähler:innen. Doch es geht ihm um mehr als nur die Senkung des Wahlalters: Er fordert bessere politische Bildung, transparenteren Zugang zu Entscheidungsprozessen und ein System, das ihre Prioritäten ernst nimmt. Noch aber klafft eine große Lücke zwischen wachsender Beteiligung und tatsächlichem Einfluss.

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