17 April 2026, 10:10

Ford-Streik 1973: Wie migrantische Arbeiter:innen Kölns Arbeitswelt veränderten

Plakat mit zwei Personen vor einem Gebirgs- und Baumhintergrund, mit der Aufschrift "Was unser freier Handel bedeutet - britischer Granitarbeiter - Die faire Lohnklausel ist in Ordnung, aber ich will Arbeit".

Ford-Streik 1973: Wie migrantische Arbeiter:innen Kölns Arbeitswelt veränderten

Neues Buch würdigt den Ford-Streik von 1973 in Köln – ein Meilenstein für Arbeitsrechte und antirassistischen Aktivismus

Zum 50. Jahrestag erscheint ein Buch, das den Streik bei Ford in Köln im Jahr 1973 neu aufarbeitet. Die von vor allem migrantischen Arbeiter:innen getragene Arbeitsniederlegung markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Arbeitsrechte und des antirassistischen Engagements. Der Sammelband beleuchtet sowohl den historischen Kampf als auch seinen anhaltenden Einfluss auf die heutige Arbeitswelt.

Am 30. August 1973 legten Beschäftigte im Ford-Werk Köln die Arbeit nieder – aus Protest gegen unwürdige Bedingungen und mit der Forderung nach einer zusätzlichen D-Mark Lohn pro Stunde. Der Streik eskalierte schnell, als Polizei und Werksschutz eingriffen. Zeitzeugenberichte schildern, wie deutsche Kollegen migrantische Arbeiter:innen angriffen, während Beamte tatenlos zusahen.

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Der Band "Der Streik hat mir als jungem Menschen Kraft gegeben" versammelt Erzählungen von Beteiligten. Viele migrantische Beschäftigte erinnerten sich an ständige Schikanen durch Vorarbeiter und Teile des deutschen Personals. Der Ford-Protest stand nicht allein: Ähnliche Arbeitskämpfe brachen 1973 bei Pierburg in Neuss und Hella in Lippstadt aus – allesamt angeführt von migrantischen Arbeiter:innen.

Historiker:innen betrachten die Aktion von 1973 heute als Katalysator für die Selbstermächtigung von Migrant:innen. Jüngere Aktivist:innen in antirassistischen Bewegungen führen ihre Wurzeln auf diese Kämpfe zurück. Der Band zieht auch Parallelen zu aktuellen Konflikten, etwa denen von Fahrradkurier:innen, die sich als Erben der Ford-Streikenden sehen.

Das Buch verbindet den Streik von 1973 mit den fortwährenden Kämpfen um faire Arbeitsbedingungen. Es zeigt, wie von Migrant:innen getragene Proteste die Arbeitsrechte in Deutschland neu prägten. Fünfzig Jahre später bleibt die Arbeitsniederlegung bei Ford ein Bezugspunkt für alle, die Würde und Respekt am Arbeitsplatz einfordern.

Quelle