14 March 2026, 12:09

Düsseldorfs fiftyfifty kämpft ums Überleben – wie ein Straßenmagazin gegen Auflagenrückgang und Hass ankämpft

Eine Zeitung mit einer Zeichnung von zwei Personen, einer sitzenden und einer stehenden, mit den Worten "Die Obdachlosen Armen" darauf.

Düsseldorfs fiftyfifty kämpft ums Überleben – wie ein Straßenmagazin gegen Auflagenrückgang und Hass ankämpft

Düsseldorfs Straßenmagazin fiftyfifty kämpft mit drastischen Auflagenrückgängen

Das von obdachlosen Verkäufer:innen angebotene Magazin fiftyfifty verzeichnet einen deutlichen Rückgang der Verkaufszahlen. Die monatliche Auflage ist in den vergangenen Jahren von 40.000 auf unter 12.000 Exemplare gesunken. Der Niedergang fällt in eine Zeit, in der Printmedien bundesweit mit Schwierigkeiten kämpfen – gleichzeitig berichten die Verkäufer:innen von wachsender Feindseligkeit und Rassismus, insbesondere gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund.

Seit Langem ist das Magazin eine wichtige Stütze für Obdachlose in der Stadt. Die Verkäufer:innen verdienen damit nicht nur Geld, sondern gewinnen Sichtbarkeit und knüpfen Kontakte zu Leser:innen, was soziale Barrieren abgebaut. Über den Verkauf hinaus finanziert fiftyfifty essenzielle Projekte – von der Straßenhilfe und Wohnraumvermittlung bis hin zur medizinischen Versorgung herrenloser Hunde.

Um den Rückgang aufzufangen, stieg der Preis pro Ausgabe von 2,80 auf 3,40 Euro, bleibt damit aber günstiger als ein ÖPNV-Ticket oder ein Kaffee. Wie andere deutsche Straßenmagazine hat auch fiftyfifty sein Angebot um digitale Formate erweitert. Die Online-Ausgabe ObdachLOS funktioniert nach dem Rubbellos-Prinzip: Verkäufer:innen erhalten weiterhin die Hälfte des Verkaufspreises. Dieser Ansatz ähnelt den Strategien anderer Blätter wie Berlins Straßenfeger oder Münchens Straßenblatt, die ebenfalls Print und Digital kombinieren, um ihre Finanzen zu stabilisieren.

Das Magazin finanziert sich hauptsächlich über Verkäufe, erhält aber auch Spenden und Unterstützung durch eine Wohltätigkeitsgalerie. Für viele Verkäufer:innen bedeutet es mehr als nur Einkommen – es gibt Struktur, Würde und ein Gefühl der Zugehörigkeit. Ohne fiftyfifty würde eine zentrale Plattform für Aufklärung und die Aufdeckung von Missständen verschwinden.

In den letzten fünf Jahren haben mindestens zwölf weitere deutsche Straßenmagazine hybride Modelle übernommen, um zu überleben. Doch fiftyfifty bleibt einzigartig in seiner direkten Wirkung auf den öffentlichen Diskurs: Es zwingt das Thema Obdachlosigkeit in den Alltag der Menschen.

Die Zukunft von fiftyfifty hängt davon ab, Tradition und Innovation in Einklang zu bringen. Digitale Verkäufe und Preisanpassungen haben den Rückgang verlangsamt, doch die Herausforderungen bleiben. Würde das Magazin verschwinden, verlören obdachlose Verkäufer:innen nicht nur eine Einnahmequelle, sondern auch eine starke Stimme im Kampf gegen Diskriminierung und soziale Ausgrenzung.

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