Bottrop diskutiert Abtreibungsrechte beim Safe Abortion Day mit dystopischem Roman
Nina HerrmannBottrop diskutiert Abtreibungsrechte beim Safe Abortion Day mit dystopischem Roman
Bottrop beging den diesjährigen Safe Abortion Day mit einer besonderen Veranstaltung im Film Forum der VHS Bottrop
Am 26. September 2025 präsentierte die Autorin Nora Burgard-Arp im Rahmen des Safe Abortion Days ihren dystopischen Roman Wir nicht, der eine Debatte über reproduktive Rechte und politische Verantwortung anregte. Die Veranstaltung lenkte den Blick auch auf die in Deutschland seit langem bestehende Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und die anhaltenden Forderungen nach einer Reform.
Die Gleichstellungsstelle der Stadt hatte die Lesung anlässlich des Safe Abortion Day organisiert, einer jährlichen globalen Kampagne, die sich für den sicheren Zugang zu Abbrüchen als grundlegendes medizinisches Recht einsetzt. Burgard-Arp las Auszüge aus ihrem Debütroman, der die Geschichte von Mathilda erzählt – einer jungen Frau, die systematische Unterdrückung erlebt, bis eine ungewollte Schwangerschaft sie dazu bringt, den Status quo herauszufordern. Im Roman unternimmt Mathilda radikale Schritte, um die Selbstbestimmung über ihren Körper zurückzugewinnen, und stellt damit die Grundfesten der Gesellschaft infrage, in der sie lebt.
Nach der Lesung entwickelte sich unter den Anwesenden eine lebhafte Diskussion über individuelle und kollektive Handlungsmöglichkeiten, um solche dystopischen Szenarien zu verhindern. Im Anschluss an die Veranstaltung signierte Burgard-Arp ihr Buch, das vollständig ausverkauft war – die Exemplare waren in Kooperation mit der Bottroper Humboldt-Buchhandlung bereitgestellt worden.
Deutschlands Abtreibungsgesetze: Zwischen Reform und historischer Last Die Regelungen zu Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland haben sich seit ihrer Einführung 1871 im § 218 StGB weiterentwickelt. Nach Reformen in der Nachkriegszeit und der Wiedervereinigung in den 1990er Jahren wurde der liberalere Ansatz der DDR mit dem strengeren "Indikationenmodell" der Bundesrepublik vereint. Dieses erlaubt Abbrüche innerhalb der ersten zwölf Wochen unter bestimmten Voraussetzungen (medizinische, kriminologische oder soziale Gründe) – allerdings erst nach einer verpflichtenden Beratung. Anders als in Ländern wie den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich oder Frankreich, wo Abbrüche innerhalb bestimmter Fristen vollständig entkriminalisiert sind, bleibt der Schwangerschaftsabbruch in Deutschland weiterhin im Strafgesetzbuch verankert.
Literatur, Aktivismus und rechtliche Reformen im Dialog Über öffentliche Lesungen hinaus bietet Burgard-Arp auf Einladung von Lehrkräften auch kostenlose Schulbesuche an, um die Diskussion über körperliche Selbstbestimmung und gesetzliche Reformen weiter in die Gesellschaft zu tragen.
Die Veranstaltung in Bottrop verband Literatur, Aktivismus und Rechtsgeschichte, um die Dringlichkeit von Abtreibungsrechten zu unterstreichen. Da die deutschen Gesetze noch immer auf der Kriminalisierung des 19. Jahrhunderts basieren, kämpfen Befürworterinnen und Befürworter weiterhin für einen Wandel. Burgard-Arps Roman und die von ihm angestoßenen Debatten erinnern daran, dass der Kampf um reproduktive Freiheit noch lange nicht vorbei ist.






