Weidemilch: Warum das Label nicht immer artgerechte Haltung garantiert
Tobias SchwarzWeidemilch: Warum das Label nicht immer artgerechte Haltung garantiert
Viele Verbraucher verbinden mit Weidemilch hohe Tierwohlstandards – doch die Realität ist komplexer. Zwar suggeriert der Begriff, dass Kühe frei auf der Weide grasen, doch das Label selbst ist rechtlich nicht geschützt – und die Haltungsbedingungen können zwischen den Betrieben stark variieren. Experten warnen: Nicht alle Weidemilch entspricht den Erwartungen der Käufer.
Für die Bezeichnung Weidemilch müssen Kühe zwar mindestens 120 Tage im Jahr auf der Weide verbringen, manchmal sogar länger. Außerhalb dieser Zeiträume dürfen sie jedoch weiterhin im Stall angebunden gehalten werden. Diese Diskrepanz zwischen Image und Praxis führt bei Verbrauchern zu Unsicherheit über die tatsächlichen Lebensbedingungen der Tiere.
Sabine Klein vom Verbraucherzentrum NRW verweist auf die unterschiedlichen Haltungsformen. Einige Betriebe erfüllen strengere Kriterien, andere halten sich nur an Mindeststandards. Siegel wie Pro Weideland, Für mehr Tierschutz (Premium) oder Bio-Zertifizierungen verbieten die Anbindung komplett. Gleiches gilt für Milch mit den Haltungsform-Kennzeichen 3, 4 oder 5.
Allerdings können Produkte, die lediglich das Basis-Haltungsform-3-Logo tragen, von Kühen stammen, die nie ins Freie dürfen. Zwar fördert Weidegang die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere, doch der Begriff allein garantiert keine durchgehend artgerechte Haltung.
Da Weidemilch rechtlich nicht geschützt ist, unterscheiden sich die Bedingungen zwischen den Erzeugern deutlich. Verbraucher sollten daher auf zusätzliche Label achten, um höhere Tierwohlstandards sicherzustellen. Ohne klarere Regelungen sagt die Bezeichnung allein wenig über die tierfreundliche Landwirtschaft aus, die viele erwarten.






