Vom Tabu zur Normalität: Warum Mundküsse unter Freunden heute gefeiert werden
Tobias SchwarzVom Tabu zur Normalität: Warum Mundküsse unter Freunden heute gefeiert werden
Ein Kuss auf den Mund unter Freunden galt in vielen westlichen Kulturen einst als befremdlich. Heute wird er zunehmend als normale – ja sogar feierliche – Geste platonischer Zuneigung wahrgenommen. Auf roten Teppichen und in sozialen Medien setzen prominente Persönlichkeiten diesen Trend und spiegeln damit einen breiten Wandel der Einstellungen wider, der sich in den letzten Jahrzehnten vollzogen hat.
Scarlett Johansson und Jonathan Bailey sorgten kürzlich für Gesprächsstoff, als sie sich bei der Premiere von Jurassic World: Rebirth auf den Mund küssten. Bailey verteidigte später den Moment mit den Worten: "Das Leben ist zu kurz, um Liebe nicht auf verschiedene Weisen zu zeigen." Johannssons Ehemann, Colin Jost, habe laut Berichten kein Problem damit – Baileys offen gelebte Homosexualität schließe jede romantische Deutung aus.
Das Paar steht mit solchen öffentlichen Zuneigungsbekundungen nicht allein da. Cat Deeley küsste ihre beste Freundin Charlie Brear spielerisch in einem Geburtstagspost und nannte es ein "Mädchenfreundschafts"-Ritual. Auch Prominente wie Hannah Waddingham, Gigi Hadid und Madonna teilten ähnliche Küsse mit engen Freund:innen. Die Kommunikations-expertin Judi James erklärt, dass solche Gesten auf einem nicht-sexuellen, fürsorglichen Ursprung beruhen – vergleichbar mit dem "Guppy-Kuss", einem leichten, kindlichen Küsschen.
Wissenschaftler:innen weisen darauf hin, dass Primaten kussähnliche Verhaltensweisen nutzen, um soziale Bindungen zu stärken und Stress abzubauen. James fügt hinzu, dass diese öffentlichen Küsse als eine "Zur-Schau-Stellung" tiefer Freundschaft dienen und Vertrauen sowie emotionale Sicherheit unterstreichen. Der Trend passt zu einem jahrzehntelangen kulturellen Wandel, insbesondere im urbanen Europa und Teilen Nordamerikas, wo jüngere Generationen platonische Mundküsse mittlerweile als selbstverständlich ansehen – ganz ohne die Befangenheit, die in reservierteren Gesellschaften wie den USA oder Großbritannien noch in den 1980er- und 90er-Jahren vorherrschte.
Was einst ungewöhnlich war, ist heute ein sichtbarer Bestandteil moderner Freundschaften, besonders unter jungen Menschen. Die wachsende Akzeptanz platonischer Mundküsse – sowohl im Privaten als auch auf globaler Bühne – zeigt sich in veränderten Normen körperlicher Zuneigung. Da Medien und Globalisierung das Verhalten weiter prägen, werden solche Gesten voraussichtlich noch verbreiteter.






