Telemedizin-Kabine in Winterberg verboten – Apotheker kämpft um digitale Zukunft
Nina HerrmannTelemedizin-Kabine in Winterberg verboten – Apotheker kämpft um digitale Zukunft
In Winterberg ist ein Streit um Telemedizin-Dienstleistungen entbrannt, nachdem die örtlichen Behörden die Aufstellung einer Telemedizin-Kabine des Anbieters Medivise in der Franziskus-Apotheke untersagt haben. Das Verbot erging nur einen Tag vor der geplanten Neueröffnung der Apotheke und hinterlässt den Inhaber Jürgen Schäfer verärgert über die plötzliche Entscheidung. Zwar ist Telemedizin in Apotheken nach deutschem Recht grundsätzlich zulässig, doch bleiben regulatorische Meinungsverschiedenheiten weiterhin ungelöst.
Die zuständige Apothekerkammer der Region verbot die Kabine mit der Begründung, sie verstoße gegen rechtliche Vorgaben und könnte zu unangemessenen Patientenüberweisungen führen. Diese Entscheidung steht im Widerspruch zur Nutzung ähnlicher Kabinen in anderen Apotheken, wo bisher keine Bedenken geäußert wurden. Medivise, der Hersteller der Kabine, betont, dass sein System allen Vorschriften entspreche und sieht keine rechtlichen Hürden für den Betrieb.
Schäfer hatte zwar in Erwägung gezogen, die Kabine außerhalb der Apotheke aufzustellen, lehnte diesen Plan letztlich aber ab. Er ist überzeugt, dass der Telemedizin-Service den täglichen Ablauf erleichtern würde – etwa bei der Verwaltung von Wiederholrezepten oder der Beratung zu Medikamenten. Unterdessen laufen auf übergeordneter Ebene weiterhin Verhandlungen zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und der Bundesapothekerkammer über die Rahmenbedingungen für Telemedizin.
Gleichzeitig steht in der Apotheke ein Führungswechsel bevor: Zu Beginn des kommenden Jahres wird Schäfer die Geschäftsführung an seine angestellte Apothekerin Jasmin Ennulath übergeben.
Der Fall zeigt die ungelösten Spannungen zwischen dem Ausbau der Telemedizin und der regulatorischen Aufsicht. Während die Kabinen andernorts ohne Probleme genutzt werden, sorgt die Ablehnung in Winterberg für Unsicherheit bei Apotheken, die ähnliche Technologien einführen möchten. Die weitere Entwicklung hängt vermutlich von künftigen Vereinbarungen zwischen Gesundheitsbehörden und Apothekerverbänden ab.






