"Sündenwald" in Manheim: Rodung beginnt – Aktivist:innen leisten Widerstand
Tobias Schwarz"Sündenwald" in Manheim: Rodung beginnt – Aktivist:innen leisten Widerstand
Der "Sündenwald" in Manheim soll in den kommenden Tagen gerodet werden – und stößt damit auf Widerstand von Aktivist:innen. Eine kleine Gruppe von Protestierenden hat das Gelände besetzt, während die lokalen Behörden strenge Betretungsverbote durchsetzen, um Störungen zu verhindern. Der Wald, der für seine umstrittene Vergangenheit bekannt ist, steht nun im Mittelpunkt eines Konflikts zwischen dem Energiekonzern RWE und Umweltschützer:innen.
Das etwa einen Hektar große Waldstück, das wegen seiner Geschichte als Treffpunkt für geheime Zusammenkünfte den Spitznamen "Sündenwald" trägt, ist seit 2024 Schauplatz von Protesten. Damals verschanzten sich Aktivist:innen in Baumhäusern und stoppten so teilweise die geplanten Abholzungen. Im Sommer 2025 lebten weitere Protestierende im Wald und weigerten sich, den Ort zu verlassen.
Die örtlichen Behörden haben nun eine Allgemeinverfügung erlassen, die ab dem 6. Oktober allen Außenstehenden den Zutritt zum Gebiet untersagt. Die unter dem Titel "Allgemeinverfügung zur Räumung eines verbleibenden Waldgebiets" erlassene Anordnung bleibt bis zum Abschluss der Rodungen in Kraft. Unterdessen ruft die Widerstandsbewegung zu Sachspenden wie Lebensmitteln und Kleidung auf; für Montag, 11:00 Uhr, ist eine Pressekonferenz angesetzt.
RWE, dem der Großteil des Manheimer Brachlands gehört, plant, die Erde über der Braunkohle abzutragen, um sie für die Einebnung von Abraumhalden zu nutzen – ein Schritt im Rahmen zukünftiger Seenprojekte. Das Unternehmen arbeitet seit einer 2023 geschlossenen Vereinbarung, "Rahmen für eine nachhaltige Zusammenarbeit", eng mit der Gemeinde Kerpen zusammen. Das Abkommen sieht gemeinsame ökologische und wirtschaftliche Ziele vor.
Aktuell halten sich noch zwischen fünf und zehn Protestierende im Wald auf. Doch deutlich mehr haben angekündigt, die Rodungen blockieren zu wollen – eine Zuspitzung des Konflikts scheint unvermeidlich.
Die Räumung des "Sündenwalds" wird unter strengen Zugangsbeschränkungen vorangetrieben, während die Aktivist:innen weiteren Widerstand geloben. RWE will das Gelände für Landschaftsprojekte umnutzen, die Stadt setzt das Betretungsverbot durch. Der Ausgang dieser Konfrontation wird über das unmittelbare Schicksal des Waldes entscheiden.






