Humboldt Forum: Fünf Jahre zwischen Kulturanspruch und Touristenandrang
Nina HerrmannHumboldt Forum: Fünf Jahre zwischen Kulturanspruch und Touristenandrang
Fünf Jahre Humboldt Forum: Zwischen kultureller Avantgarde und Touristenmagnet
Vor fünf Jahren eröffnete das Humboldt Forum mit einem ehrgeizigen kulturellen Anspruch. Seitdem hat es Lesungen, Aufführungen, Konzerte und Debatten zu den drängendsten globalen Fragen veranstaltet. Doch sein Publikum besteht nach wie vor überwiegend aus Touristen – viele Besucher bleiben nur für ein schnelles Foto im Innenhof stehen.
Unter einer kuppelgekrönten, kreuzbekrönten Dachkonstruktion beherbergt das Forum das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Sein Programm setzt sich mit demokratischem Abbau, globaler Ungerechtigkeit und kolonialer Gewalt auseinander und löst damit weitreichende Diskussionen aus. Besonders die Ausstellungen zu geraubter Kunst und Restitutionsfragen haben die Debatte befeuert.
Trotzdem ringt die Institution mit ihrem Image. Kritiker werfen dem Forum vor, eher wie ein Palast als wie ein lebendiger Teil der Stadt zu wirken – mit seinen endlosen Betonfluren und Rolltreppen, die das kulturelle Programm zu erdrücken scheinen. Einige, wie die Künstlerin Sarah Ama Duah, nutzen den Raum jedoch gezielt, um sein koloniales Erbe zu hinterfragen. In ihrer Performance to build to bury to remember inszeniert sie Objekte als lebendige Wesen, die sich der kolonialen Perspektive widersetzen.
Ein bevorstehender Vortrag über einen verschwundenen Fluss im Süden Brasiliens zeigt, wie das Forum weiterhin brisante Themen aufgreift. Die Referentin betont die Aktualität der Veranstaltung und blickt mit Vorfreude darauf.
Das Humboldt Forum bleibt ein polarisierender Ort. Sein anspruchsvolles Programm steht oft im Schatten seiner Architektur und seines Touristenrummels. Dennoch bietet es nach wie vor eine Bühne für Gespräche, die kulturelle und historische Grenzen verschieben.
