Digitale Gewalt trifft Jugendliche oft aus dem eigenen Umfeld – Thüringer Projekt zeigt Lösungswege
Tobias SchwarzDigitale Gewalt trifft Jugendliche oft aus dem eigenen Umfeld – Thüringer Projekt zeigt Lösungswege
Digitale Gewalt gegen Frauen und Jugendliche wird zunehmend als ernstes Problem anerkannt. Ein kürzlich durchgeführtes Pilotprojekt in Thüringen hat gezeigt, dass solche Übergriffe oft von bekannten Personen und nicht von Fremden ausgehen. Das Problem erstreckt sich bis in die Schulen, wo Schülerinnen und Schüler selbst im Freundeskreis Grenzverletzungen erleben.
Drei Jahre lang leitete die Präventionsexpertin Yasmina Ramdani Workshops zum Thema digitale sexualisierte Gewalt an Thüringer Schulen. Das vom Landesbeauftragten für den Kinderschutz geförderte Projekt erreichte rund 5.000 Schülerinnen und Schüler der fünften bis achten Klasse. Es handelte sich um das erste seiner Art in Deutschland mit dem Fokus auf frühzeitige Aufklärung über Online-Risiken.
Laut einer Studie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit aus dem Jahr 2025 hat fast die Hälfte der Jugendlichen bereits Formen digitaler sexualisierter Gewalt erlebt. Eine häufige Gefahr ist Cybergrooming, bei dem Täter Minderjährige in Chats manipulieren, um sie später zu belästigen oder zu missbrauchen. Fast ein Viertel der Jugendlichen gab an, mit dieser Masche konfrontiert worden zu sein.
Lehrkräfte erkennen die Bedeutung des Themas, fühlen sich aber oft überfordert. Auch Eltern werden aufgefordert, mit ihren Kindern über Grenzen zu sprechen – insbesondere beim Umgang mit Nacktfotos. Fachleute betonen, dass Prävention langfristig günstiger ist als die Bewältigung der Folgen solcher Übergriffe.
Prominente Fälle wie die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen haben das Problem weiter ins Licht gerückt. Fernandes wirft Ulmen vor, gefälschte Profile und pornografische Deepfakes erstellt zu haben – ein Beispiel dafür, wie digitale Gewalt auch in Erwachsenenbeziehungen vorkommt.
Das Thüringer Pilotprojekt setzt Maßstäbe für die Bekämpfung digitaler sexualisierter Gewalt an Schulen. Angesichts der Tatsache, dass fast die Hälfte der Jugendlichen betroffen ist, bleibt frühzeitige Aufklärung entscheidend. Behörden betonen, dass Investitionen in Prävention heute spätere Kosten und Leid ersparen.






