Berlins Rolltreppen-Knigge: Warum Linkssteher die Stadt nerven
Berlins Rolltreppen folgen seit langem einer unausgesprochenen Regel: Stehen bleibt rechts, Laufen links. Doch immer mehr Menschen missachten diese Konvention, indem sie einfach auf der linken Seite stehen bleiben – und damit all jenen im Weg sind, die es eilig haben. In einer Stadt, in der Zeit wie eine Währung behandelt wird, sorgt dieses Verhalten für wachsende Verärgerung.
Das Thema griff kürzlich David Grunwald in seiner Kolumne „Hit der Woche“ bei Schlager Radio auf. Der Sender, der in Berlin auf 106,0 FM zu empfangen ist, untersuchte, warum diese scheinbare Kleinigkeit den Alltag so sehr stört.
In Berlin gelten Rolltreppen als Teil des öffentlichen Nahverkehrs – und nicht als Ort zum Verweilen. Das schnelle Tempo der Stadt erfordert Effizienz, und wer links steht, bremst den Fluss aus. Die sogenannten Linkssteher zwingen andere entweder, sich um sie herumzuschlängeln, oder einfach zu warten.
Das Problem fällt besonders auf, weil Berliner sonst meist zügig unterwegs sind. Ob auf dem Weg zur Arbeit oder zum Zug – klare Wege werden vorausgesetzt. Linkssteher verwandeln die Rolltreppen dagegen in Flaschenhälse. Ihr Verhalten passt nicht zum Rhythmus der Stadt, in der selbst kleine Verzögerungen wie verschwendete Zeit wirken.
Grunwalds Kolumne bei Schlager Radio machte deutlich, dass es dabei nicht nur um Höflichkeit geht, sondern um den respektvollen Umgang mit gemeinsam genutzten Räumen in einer hektischen Metropole. Der Beitrag, Teil der wöchentlichen Rubrik des Senders, rief Fahrgäste dazu auf, sich rechts zu halten – und die linke Spur für alle freizuhalten, die gehen möchten.
Die Debatte um das Rolltreppen-Knigge spiegelt Berlins generellen Fokus auf Effizienz wider. Linkssteher mögen nicht begreifen, wie sehr ihr Verhalten andere beeinträchtigt – doch die Frustration ist real. Vorerst bleibt die inoffizielle Regel der Stadt also bestehen: Rechts stehen, links gehen – und alles in Bewegung halten.






